Soviel Schwachsinn in einem Nachsatz.

Ein Waffensammler soll er gewesen sein, Sturmbannführer, gar ein Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen.

Dem aufmerksamen Leser wird die mangelnde Logik dieses Satzes ins Auge springen. Sollten Sie zu diesen Menschen gehören, und sollten Sie darüberhinaus Pläne haben, jemals bei der Badischen Zeitung zu arbeiten, muss ich Sie enttäuschen: Mit soviel Verstand wird das nichts.

Die BZ schrieb, nachdem der Name des vermeintlichen Attentäters von Oslo bekannt wurde, unter anderem diesen hübschen Absatz:

Nach Darstellung der norwegischen Zeitung Aftenposten gilt Breivik als ausländerfeindlich und islamkritisch, als Gegner einer multikulturellen Gesellschaft, als ein Mann mit einer konservativen bis fundamentalistischen christlichen Gesinnung, als Freimaurer gar. Bodybuilding, Computerspiele wie “World of Warcraft” und die Jagd seien die Hobbys des Junggesellen, heißt es. [Link im Original, Hervorhebung von mir.]

Ich persönlich finde diesen Satz durchaus entlarvend. Er scheint zu verraten, dass man sich bei der BZ in manchen Fällen seiner Vorurteile so sicher ist, dass man es nicht einmal für nötig hält, auch nur oberflächlich online zu recherchieren. Ich erinnere an eine Kolumne vor einigen Jahren, die schon rein rechnerisch wenig Sinn machte — gestört hat das niemanden, gedruckt wurde das Ding trotzdem. Anders als damals finde ich diesen Fall aber wesentlich fieser.

Der Satz suggeriert, die Mitgliedschaft des Verdächtigen in einer Freimaurerloge sei eine logische Folge seiner Weltsicht, genauer: seiner christlich-fundamentalen, anti-multi-kulturellen, islam- und ausländerfeindlichen Weltsicht. Nun hätte ein wirklich wahnsinnig kurzer Blick in der Wikipedia-Artikel zur Freimaurerei dem Autoren geholfen, seine vermutlich bei Dan Brown recherchierten Informationen zum Thema über den Haufen zu schmeißen. Dann hätte aber sein schöner Satz nicht mehr funktioniert, und ernsthafte Recherche kann man von einem deutschen Journalisten ja nun auch wirklich nicht erwarten. Also deutet man in nur drei Worten (das muss man sich mal vorstellen, das beeindruckt schon fast!) eine Institution, die durchaus als Motor der europäischen Aufklärung bezeichnet werden darf, in ihr exaktes Gegenteil um. Eine Institution, in deren Alten Pflichten von 1723 (die wir hier kurz der Einfachheit halber als “Grundgesetz der Freimaurerei” bezeichnen) bereits festgehalten wurde, dass die Religion eines Menschen keine Rolle spielen darf, wenn es um seine Aufnahme in die Loge geht. Zu deren Grundfesten es gehört, dass Religion nicht Thema eines Streitgespräches innerhalb der Loge werden darf. Die sich dem Humanismus verschrieben hat, die von der katholischen Kirche und von totalitären Regimen verfolgt wurde, und die bei ihren Mitgliedern nicht einmal den Glauben an ein höheres Wesen voraussetzt, sondern ganz im Gegenteil ihren Grundsätzen nach das Ziel verfolgt, Menschen aller Religionen, Schichten und Nationalitäten zusammenzubringen.

Kurz: Die gegen alles, aber wirklich ALLES, steht und schon immer stand, was dieser vermutlich christlich-fundamentalistische Spinner vom rechten Rand mit einer Autobombe und einer Maschinenpistole durchzusetzen versuchte.

Aber passt schon, BZ. Jedenfalls in mein Bild von dir.

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to MySpace Post to Reddit

3 Comments so far

  1. Nörgel on Juli 23rd, 2011

    Hallo,

    “Ein Waffensammler soll er gewesen sein, Sturmbannführer, gar ein Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen.”

    Ich gebe dir recht, dass dies wahrlich keine Sternstunde des Journalismus ist, aber einen Logikbruch kann ich nicht erkennen. Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen kann man ja auch werden, weil man die Werte der norwegischen Armee mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann – beispielsweise wenn man die Tötung aller Muslime befürwortet. Ich gebe allerdings zu, dass wir uns jetzt trefflich über den Begriff des Gewissens streiten könnten :)

    “…und ernsthafte Recherche kann man von einem deutschen Journalisten ja nun auch wirklich nicht erwarten.”

    Das finde ich ein bisschen platt.

    Ansonsten aber volle Zustimmung!

  2. marlow on Juli 23rd, 2011

    natürlich ist das platt, man nennt das polemik.

  3. Nörgel on Juli 24th, 2011

    Polemik ist platt? Aber nein, das geht auch ganz anders. Man denke doch bitte an Herbert Wehner, Eckhard Henscheid, Oscar Wilde, Ann Coulter, …

Leave a Reply