Archiv fuer Juni, 2009

digitaler Ungehorsam. 0

Falls sich unter meinen Lesern T-Online-Kunden befinden, die sich auch über die sog. “Navigationshilfe” ärgern (und natürlich für alle anderen, die ihrem Provider diverse Zensur- und Protokollierungsvorhaben erschweren möchten): Beim Chaos Computer Club findet sich eine Liste alternativer DNS-Server nebst Anleitung, wie diese benutzt werden können.

Wer nicht weiß, was ein DNS-Server ist: Das wird da auch erklärt. Grob vereinfacht: Das ist das Ding, das www.nerdpress.de in die hinter dieser Adresse versteckte Zahlenkette umwandelt, auf die diese Seite eigentlich hört. Wenn ihr im Handy-Telefonbuch einen Namen auswählt und draufdrückt, wählt das ja auch automatisch die entsprechende Telefonnummer – genau das ist der Zwischenschritt, den im Netzwerk ein DNS-Server macht. Und genau auf dieser Ebene greift die gerade im Aufbau befindliche Zensurinfrastruktur. Das muss man den voreilig zustimmenden Providern ja nicht unnötig leicht machen.

Ich bitte um freudige Verbreitung. Und zumindest einen Gedanken über den Eintritt in die Piratenpartei.

Arrr.

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Nie wieder Datenschutz. 1

Es ist bemerkenswert traurig, wie blinder Aktionismus Politiker dazu verleitet, unsere Grundrechte einzuschränken. Und umso tragischer, dass es in diesem Fall leider nicht nur die Herren Schäuble und Schily sind, die Überwachung und Zensur fordern und unterstützen. Es ist eine Generation von Politikern, die das Medium Internet nicht kennt, nicht versteht und nicht daran interessiert ist. Dass die geplanten Sperren vermutlich keine Wirkung haben werden – geschenkt. Wer traut sich schon, beim Thema Kinderpornographie gegen vermeintliche Gegenmaßnahmen zu sein? Es sieht doch so schön aus in der Zeitung, irgendwas zu sagen, das “Kinderpornographie”, “Prävention” und “Schutz” enthält. Und so schlecht, gegen etwas zu stimmen, das gegen Kinderpornographie zu sein vorgibt. Dass es dennoch 128 Abgeordnete getan haben, ist immerhin etwas…

Ebenfalls faszinierend ist, wie herzlich egal es dieser Generation von Politikern zu sein scheint, dass sie sich heute für eine ganze Generation von Wählern unwählbar gemacht haben. Man mag heute noch darüber lachen, aber was heute passiert ist hat durchaus das Potenzial, aus der Piratenpartei die neuen Grünen zu machen. Ja sicher, es ist eine Nischenpartei. Und haha, ja, wer nennt sich schon Piratenpartei, das können ja nur Spinner sein. Es ist tatsächlich aber die erste Partei der Digital Natives und damit die erste Partei, die dem Technik-Skeptizismus der Landeiparteien etwas entgegenzusetzen hat.

Die Piraten sind tatsächlich die erste Partei, die meine Generation ernstnehmen kann – weil sie meine Generation ernstnimmt. Eben weil es eine Nischenpartei ist, die sich den Luxus der Ideologie und des Idealismus leisten kann. Ich kann nur hoffen, dass die nächsten Wahlen den Herren in ihren Anzügen zeigen werden, dass auch Piraten Politik machen können. 0,9% bei der Europawahl waren schon ein Zeichen, in Freiburg waren es sogar 1,9%. Da ist definitiv noch was drin.

Nachtrag, via @Piratenpartei: nerdcore erklärt die Unabhängigkeit des Internets und kotzt sich noch einmal wesentlich eloquenter aus als ich. Lesen!

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