Archiv fuer August, 2007

krasse effekte und so. 1

In einer der letzten schlaflosen Nächte fiel mir wieder ein Zitat aus jenen Zeiten ein, da mein alter Herr noch an der Hauptschule unterrichtete. Ein vom neuen Sinneseindruck vollkommen überrollter Zögling sah sich ob der Unverarbeitbarkeit seiner neuen Erkenntnis seinerseits gezwungen, meinem Vater folgende Weisheit mit auf den Weg zu geben:

“Herr Lehrer, lesen ist ja wie Kino im Kopf!”

Auf meinen Geburtstagtorten jener Tagen tummelte sich damals noch eine einstellige Anzahl von Kerzen; Ich hatte demnach einige Zeit, mich mit diesem Gedanken zu beschäftigen. Er hat eine Menge Wahres. Und ich bin im Nachhinein sehr froh, dass mein alter Herr den Rattenschwanz weiterführender Erkenntnisse nicht mitgeteilt bekam, der darauf gefolt sein mag:

“Ey Kevin, wichsen is’ wie’n Porno in Kopp!”

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home, sweet home. 1

Vorweg: Der folgende Beitrag hat nur wenig Sinn.

Blonde Friseur-Azubinen fahren japanische Kleinstwagen mit “Killerbiene”-Heckaufklebern, ihre Macker treiben sich auf den Schützenfesten der Gegend rum und wenn man ein paar Kilometer tiefer ins Sauerland fährt, trifft man neben vielen Kühen an jeder Ecke Hatebreed-Merchandise tragende Rollerfahrer. Es hat sich im Grunde sehr wenig bis gar nichts geändert seit meiner Kindheit; Lediglich ein kürzlich im alten Zimmer meiner Schwester entdecktes und reichlich verstaubtes “World’s a Part”-Album kündigt davon, dass die Neunziger selbst hier vorbei sind und an Stelle austauschbarer Boygroups austauschbare Babygroups getreten sind (Killerpilze, Tokio Hotel). Wirklich interessant ist meine Heimatstadt im Grunde nur für Marienwallfahrer und Schwerstverbrecher, vorzugsweise Sexualstraftäter: Wer hier sitzt, kann sich darauf was einbilden. Wenn er nicht resozialisiert werden möchte.

Menschen meines Alters und Charakters haben hier chronische Langeweile: Schützenfeste sind meine Welt nicht, Dorfpartys in Schützenhallen fast noch weniger. Zwischen Top 40-Bands und DJs, die unter “Rock” seit mittlerweile über einem Jahrzehnt immer noch “Liquido, Brian Adams und Smells Like Teen Spirit von Nirvana” verstehen, fühle ich mich nur bedingt wohl, zumal der Altersdurchschnitt gefühlt einstellig ist. Einmal im Jahr gehe ich doch hin und hake das Erlebnis schon vorher unter “Realsatire” ab. Es gibt Menschen, die mir das als Arroganz auslegen. Vermutlich haben sie Recht. Diese Menschen trinken aber im Gegensatz zu mir auch viel Alkohol und hoffen darauf, dass ich sie nach Hause fahren kann.

Trotz allem mag ich meine Heimatstadt langsam wieder. Manchmal. Wenn ich zur Möhne fahre oder nachts am Windrad auf dem Haarstrang sitze, um auf der einen Seite die JVA und auf der anderen Seite diverse Dörfer mit schlechter Busanbindung leuchten zu sehen. Weil sich nichts ändert. Die JVA ist mal erweitert worden, na gut. Und aus dem alten Militärflughafen wurde ein recht hübsches Gewerbegebiet; Außerdem kam jemand auf die Idee, direkt neben dem Knast in der alten NATO-Kommandantur ein Hotel einzurichten. Ich rätsele bis heute, wie er darauf kam. Am Stadtrand, neben Sexualstraftätern. Mit Blick auf ein Traktormuseum.

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“jugendfrei und becksteinfreundlich.” 0

Was habe ich bei der Lektüre gelacht, alleine der Idee wegen.

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