Archiv fuer April, 2007
resolutes rehkitz #2 0
Ganz vergessen:
Das Update verlief erstaunlich problemlos. Erstaunlich, weil Distributionsupdates beileibe nicht immer schmerzfrei verlaufen; inbesondere dann nicht, wenn massig Software aus distributionsfremden Quellen genutzt wird.
Seltsam jedoch: Meine W-Lan-Karte ist plötzlich verschwunden, das mag allerdings am neuen Kernel liegen. Da ich sie bisher auch noch nicht wieder brauchte und dementsprechend auch das Modul nicht geladen habe, dürfte das Problem vermutlich wirklich hier liegen. Womit es wiederum kein Problem wäre, nur Faulheit meinerseits.
Wo wir gerade beim Thema wären: Die Modul-Verwaltung macht wirklich einen guten und unkomplizierten Eindruck und dürfte gerade Neueinsteigern einiges an Ärger ersparen.
Die 3D-Effekte allerdings lassen bei mir nach wie vor auf sich warten; Damit bin ich allerdings als ATI-Besitzer in bester Gesellschaft. Ein Hoffnungsschimmer in dieser Hinsicht ist die angekündigte Wieder-Zusammenführung von compiz und beryl. compiz funktioniert mit ATI, beryl nicht bzw. nicht problemlos – eine wiedervereinigte Codebase dürfte da, ungeachtet aller Liebe zur Open-Source-Ideologie und den damit einhergehenden Abspaltungen neuer Branches von alten Projekten, zu massentauglicheren Lösungen führen. Nvidia-Besitzer sollen übrigens mit den 3D-Optionen weniger Probleme haben, hörte ich. Bei mir lief Xgl mit compiz auch vor knapp einem Jahr bereits erfolgreich, mit etwas mehr Interesse am Thema sollte es das also auch wieder tun. Andererseits… so dringend brauche ich eye candy nun nicht. Schön jedenfalls, dass Linux den Schritt in diese Richtung macht und optisch mit Mac OS X und Vista mithalten (und letzteres in Hinsicht auf Hardwareanforderungen locker unterbieten) kann.
Insgesamt macht Feisty Fawn einen sehr guten Eindruck, wenn auch für mich persönlich kaum umwerfende Neuerungen zu finden sind. Neulingen wird allerdings mit Ubuntu ein mit jeder neuen Ausgabe einsteigerfreundlicheres System geboten, das den Mythos des Nerdbetriebssystems wohl langsam aber sicher zu Grabe tragen dürfte.
i hurt myself today. 0
Johnny Cash ist in. Das kann man gut finden, vielleicht auch schade, im Fall mittelmäßig verfilmter Pseudo-Biographien nervig. Walk the Line fand ich persönlich ziemlich wischi-waschi und nicht sehr überzeugend, aber Hollywood muss ja auch so sein.
Großartig im Gegensatz dazu ist meiner Meinung nach Reinhard Kleists Comic-Umsetzung des Lebens der Country-Legende Cash – I see a darkness. Der Comic weicht in wesentlichen Punkten stark vom Film ab; Da wären zum einen die Geschwister des jungen Johnny, von denen wir im Film nichts erfahren (mit einer Ausnahme). Da wäre das Verhältnis zum Vater, das im Film äußerst negativ dargestellt wird. Nichts davon im Comic, was ein wenig stutzig macht, da sich beide auf ähnliche Quellen berufen. Zudem konzentriert sich Kleist (gottseidank) nicht auf die Beziehung Cash/Carter, sondern setzt gänzlich anders an: Erzähler ist die ersten zwei Drittel des Bandes nicht Cash, sondern der Folsom-Insasse Glen Sherley.
Sherley erfährt zu Beginn von einem Mitinsassen vom geplanten Auftritt Cashs im Folsom Prison, lässt ihm über den Gefängnispfarrer ein Demo zukommen und erzählt eben jenem Mitinsassen alles über das Leben des Johnny Cash, was er aus den gängigen Magazinen zusammenbasteln konnte: Die Zeit auf den Baumwollfeldern, der Tod des Bruders Jack, die erste Ehe, die ersten Touren und der Weg in die Drogensucht. Höhepunkt schließlich ist das Konzert in Folson, bei dem Cash als letzten Song jenen spielt, den Sherley ihm hatte zukommen lassen.
An diesem Punkt sind die beiden Erzählstränge nahtlos ineinander übergegangen; Sherley hat Johnnys Leben bis zu jenem Punkt erzählt, an dem er selbst Teil der Erzählung wurde. Dennoch bleibt er Teil der Geschichte, wenn auch die Perspektive sich wandelt: Wir sehen den alten Johnny Cash im Studio mit Rick Rubin, der ihm Trent Reznors Hurt vorspielt und fragt, was aus Sherley wurde. Johnny erzählt von dessen Freilassung, wie Sherley zunächst für ihn arbeitete, schnell aber an seinem eigenen, schnellen Ruhm zerbrach und den Freitod wählte.
Mir persönlich gefielen an I see a darkness vor allem die großartigen Umsetzungen diverser Songtexte: Kleist beginnt den Band mit seiner zeichnerischen Interpretation des Folsom Prison Blues, im Verlauf der Geschichte gesellen sich hier unter anderem A Boy Named Sue und Don’t Take Your Guns to Town hinzu. Kleist schließt den Band mit einem alten Johnny Cash, der vor seinem Studio im Wald sitzt und Ghost Riders in the Sky sieht.
Der düstere und strikt schwarz/weiße Stil des Bandes könnte kaum besser gewählt sein bei einem Comic über den Man in Black, Kleists Reproduktionen diverser Fotos der Ikone sind ausnahmslos gelungen.
Positiv anzumerken und beinahe niedlich ist übrigens die penible Auflistung aller verwendeten Quellen.
Reinhard Kleists Homepage
Cash – I see a darkness auf amazon.de